Solar an Bord: was ein Panel wirklich bringt

MPPT-Solarladeregler für das Bordnetz mit 12 oder 24 Volt

Ein Solarpanel auf dem Boot klingt nach einer sauberen Sache: Sonne rein, Strom raus, nie wieder eine leere Batterie. In der Praxis liegt der Ertrag oft deutlich unter dem, was auf dem Panel steht — und trotzdem ist Solar bei vielen Booten die sinnvollste Ergänzung im Bordnetz. Es kommt nur darauf an, was Sie erwarten.

Hier steht, was ein Panel realistisch liefert, wie Sie das gegen Ihren Verbrauch rechnen, und wann Sie sich das Geld sparen können.

Watt peak ist ein Laborwert

Die Zahl auf dem Panel — 100 Wp, 200 Wp — ist die Leistung unter Prüfbedingungen: senkrechte Einstrahlung, klare Luft, kühle Zelle. Diese Bedingungen haben Sie an Bord praktisch nie.

Was den Ertrag drückt:

  • Der Winkel. Ein flach auf dem Deck oder auf dem Bimini liegendes Panel bekommt die Sonne fast nie senkrecht ab. Das kostet je nach Tageszeit einen erheblichen Teil.
  • Die Temperatur. Silizium wird bei Hitze schlechter, nicht besser. Ein Panel, das in der Sonne heiß wird und keine Luft von unten bekommt, liefert weniger als dasselbe Panel mit Hinterlüftung.
  • Der Schatten. Der größte Posten. Mast, Wanten, Antenne, ein hochgestelltes Verdeck: Schon ein Streifen Schatten über eine Zellreihe kann die Leistung des ganzen Strings zusammenbrechen lassen.
  • Die Jahreszeit. Im Juni ist die Sonne hoch und der Tag lang, im Oktober beides nicht mehr.

Als grobe Hausnummer für die Saison in Österreich: Rechnen Sie an einem schönen Sommertag mit ungefähr einem Drittel bis der Hälfte dessen, was das Panel nominell könnte, umgelegt auf einen sinnvollen Ertragszeitraum von wenigen Stunden. Ein 100-Wp-Panel bringt an so einem Tag also grob in der Größenordnung von 300 bis 400 Wattstunden — bei bedecktem Himmel deutlich weniger, im Spätherbst noch einmal weniger. Wer mit diesen Zahlen plant, wird nicht enttäuscht. Wer mit 100 Watt mal zwölf Stunden rechnet, schon.

Rechnen Sie in Amperestunden, nicht in Watt

Am Bordnetz denken Sie ohnehin in Amperestunden. 300 Wattstunden sind bei 12 Volt rund 25 Ah pro Tag. Jetzt stellen Sie dem Ihren Verbrauch gegenüber — das ist die eigentliche Rechnung.

Typische Größenordnungen, die Sie an Ihren eigenen Geräten prüfen sollten:

  • Eine Kompressor-Kühlbox läuft nicht durchgehend, sondern taktet. Über den Tag summiert sie sich trotzdem zum größten Einzelposten an Bord.
  • LED-Beleuchtung und Instrumente sind vernachlässigbar klein.
  • Radio und Lautsprecher liegen dazwischen und hängen stark von der Lautstärke ab.
  • Alles, was heizt oder Wasser bewegt — Wasserkocher, Fön, Druckwasserpumpe — zieht kurz sehr viel und ist über Solar nicht sinnvoll zu decken.

Der Vergleich sagt Ihnen, was das Panel leisten soll. Es gibt drei ehrliche Ziele:

Ziel Was Sie ungefähr brauchen
Batterie über die Woche erhalten, Boot liegt am Steg ein kleines Panel, oft reichen 20 bis 50 Wp
Grundlast im Sommer decken: Licht, Instrumente, Ladegeräte fürs Handy ungefähr 100 Wp
Mehrere Tage ohne Landstrom inklusive Kühlung 200 Wp aufwärts, plus ausreichend Batteriekapazität

Wichtig dabei: Solar ersetzt keine Batterie. Das Panel lädt tagsüber, verbraucht wird abends und nachts. Wer zu wenig Kapazität hat, kann die Sonne nicht speichern. Bei den meisten Booten, die mit Solar unzufrieden sind, ist nicht das Panel zu klein, sondern die Batterie.

Starr oder semiflexibel

Starre Panels mit Glasabdeckung und Alurahmen sind die langlebigere Bauform. Sie brauchen eine Fläche, auf die man sie schrauben kann — Radargerüst, Bimini-Gestänge, Kabinendach — und sie stehen leicht ab, was gut ist, weil die Luft von unten kühlt.

Semiflexible Panels lassen sich auf gewölbte Flächen kleben oder mit Ösen aufbinden. Sie sind flacher, leichter und optisch unauffälliger. Der Preis dafür: Sie werden heißer, weil die Rückseite auf dem Deck liegt, und die Kunststoffoberfläche altert schneller als Glas. Wer ein semiflexibles Panel vollflächig aufklebt, sollte damit rechnen, dass es nicht so lange hält wie ein gerahmtes — und dass es sich schlecht wieder abnehmen lässt.

Bei einem Boot, das den Sommer über draußen liegt und im Winter ohnehin abgedeckt wird, ist das ein vertretbarer Kompromiss. Bei einem Boot, das zwanzig Jahre so bleiben soll, würde ich das starre Panel nehmen.

Der Laderegler gehört dazu

Ein Panel darf nie direkt an die Batterie. Dazwischen gehört ein Laderegler, und dort gibt es zwei Bauarten.

PWM

Einfach und günstig. Der Regler zieht die Panelspannung praktisch auf Batteriespannung herunter. Die Differenz geht verloren. Bei kleinen Erhaltungspanels bis etwa 20 oder 30 Watt ist das in Ordnung, weil der Regler selbst kaum etwas kostet.

MPPT

Der Regler sucht laufend den Arbeitspunkt, an dem das Panel am meisten hergibt, und wandelt die überschüssige Spannung in Ladestrom um. Der Mehrertrag ist bei schwachem Licht und bei kalten, klaren Tagen am größten. Ab ungefähr 100 Wp holt ein MPPT-Regler den Aufpreis in der Regel wieder herein.

Wenn Sie eine LiFePO4-Bordbatterie haben: Der Regler muss ein Lithium-Ladeprogramm können. Eine Bleikennlinie lädt Lithium nicht sauber voll und im ungünstigen Fall zu hoch.

Kabel und Absicherung

Zwei Dinge werden bei Solarnachrüstungen regelmäßig übersehen. Erstens: Zwischen Laderegler und Batterie gehört eine Sicherung, möglichst nah an der Batterie. Zweitens: Der Kabelweg vom Panel nach unten ist bei Booten oft länger als gedacht. Zu dünnes Kabel verschenkt genau die Prozente, die Sie sich vom MPPT-Regler erhofft haben. Im Zweifel eine Nummer größer.

Die Durchführung durchs Deck ist der Punkt, an dem später Wasser eindringt, wenn sie schlampig gemacht ist. Eine ordentliche Kabeldurchführung kostet wenig und erspart die Suche nach der undichten Stelle.

Wann Solar sich nicht lohnt

Ich verkaufe Solarladeregler, und trotzdem: In diesen Fällen lassen Sie es.

  • Das Boot hängt dauerhaft am Landstrom. Dann lädt das Ladegerät, und das Panel hat nichts zu tun.
  • Das Boot steht im Winter in der Halle. Ohne Licht kein Ertrag. Hier ist ein Erhaltungsladegerät oder die ausgebaute, geladene Batterie die bessere Lösung.
  • Sie fahren tagsüber und schlafen zu Hause. Wenn der Motor läuft, lädt die Lichtmaschine ohnehin mehr, als jedes Panel je liefern könnte.
  • Es geht nur um die Starterbatterie. Die entlädt sich beim Anlassen kaum. Wenn sie leer ist, liegt das meist an einem Verbraucher, der heimlich mitzieht — den sollte man suchen, statt ihn mit Solar zu füttern.

Der eine Fall, in dem sich ein kleines Panel fast immer bezahlt macht: Ein Boot, das ohne Steckdose im Freien liegt und dessen Batterie sonst über Wochen langsam leerläuft. Dafür genügt ein Panel in der kleinsten Klasse mit einfachem Regler.

Kurz gefasst

Solar an Bord ist keine Stromquelle, sondern eine Nachladehilfe. Richtig dimensioniert hält es die Batterie über die Woche voll und deckt im Sommer die Grundlast. Falsch dimensioniert erzeugt es vor allem Enttäuschung.

Planen Sie in dieser Reihenfolge: erst den Verbrauch ehrlich schätzen, dann die Batteriekapazität, dann das Panel. Wer umgekehrt anfängt, kauft meistens zweimal.

Ein Hinweis zu den Geräten im Shop: Die Preise gelten für die Ware. Einbau, Verkabelung und Inbetriebnahme sind eigene Leistungen und nicht enthalten. Wenn Sie unsicher sind, was zu Ihrem Boot passt, schreiben Sie mir kurz, was Sie an Bord betreiben und wie lange Sie ohne Landstrom auskommen wollen — daraus lässt sich die passende Panelgröße meist in wenigen Minuten ableiten.


Im Shop finden Sie MPPT- und PWM-Solarladeregler, dazu Lithium-Bordbatterien und Ladegeräte und Ladebooster. Fragen gehen am schnellsten per Mail an office@rauscherboot.at — wir antworten in der Regel am selben oder nächsten Werktag.


David Rauscher, Bootsbauer

David Rauscher

Angefangen als Kind, auf dem Boot meines Großonkels. Erst gesegelt, dann gelernt, wie ein Boot gebaut ist, seit 2019 selbstständig. Was ich verkaufe, habe ich selbst an Bord — und was nicht hält, kommt nicht in den Shop.

Fragen? office@rauscherboot.at

WhatsApp