Das erste Mal, dass mich ein Elektroantrieb wirklich überzeugt hat, war nicht auf einer Messe. Es war an einem Abend auf dem Wasser, als der Motor lief und ich es nicht gemerkt habe. Kein Knattern, kein Vibrieren im Boden, kein Geruch. Man hört die Bugwelle. Das ist der Moment, an dem die meisten Leute umschwenken — nicht wegen der Umwelt, sondern weil es einfach angenehmer ist.
Trotzdem ist ein Elektroantrieb nicht für jeden richtig. Hier steht, woran Sie das vorher erkennen.
Die einzige Rechnung, die Sie brauchen
Die Frage ist nie „wie viel PS", sondern „wie viel Kilowatt pro Tonne". Als Faustregel gilt:
1 bis 2 kW je Tonne Marschgewicht.
Marschgewicht heißt: das Boot, wie es tatsächlich fährt. Mit Batterien, Ausrüstung, Tank und den Leuten an Bord. Nicht das Leergewicht aus dem Prospekt.
Ein Beispiel. Ein Boot mit 2,5 Tonnen Marschgewicht braucht also 2,5 bis 5 kW. Wo Sie in dieser Spanne landen, entscheidet Ihr Revier: Auf einem geschützten See reicht der untere Wert. Wer gegen Strömung ankommen muss oder auf einem großen See mit Welle unterwegs ist, nimmt den oberen. Reserve, die Sie nie brauchen, kostet Geld. Reserve, die Sie einmal brauchen, bringt Sie nach Hause.
Was der Vergleich mit PS wirklich bedeutet
In jedem Datenblatt steht ein PS-Vergleichswert. Ein 4,3-kW-Motor wird mit 11 PS angegeben. Das klingt nach einem schlechten Tausch, ist aber keiner.
Ein Benziner gibt seine Nennleistung nur bei hoher Drehzahl ab. Ein Elektromotor liefert das volle Drehmoment ab der ersten Umdrehung. Deshalb schiebt ein Elektroantrieb aus dem Stand kräftiger, obwohl auf dem Papier weniger steht. Aussagekräftiger als die PS-Zahl ist der Schub in Pfund — den vergleichen Sie zwischen zwei Elektromotoren direkt.
Wann sich ein Elektroantrieb lohnt
- Sie fahren auf einem See mit Verbrennerverbot. Dann erübrigt sich die Frage ohnehin — und davon gibt es in Österreich und Bayern einige.
- Sie sind langsam unterwegs. Verdränger, Segelboot mit Flautenschieber, Elektroboot am Abend. Da spielt Elektro seine Stärken aus.
- Sie fahren kurze Strecken, oft. Zum Steg, zur Badebucht, wieder zurück. Über Nacht lädt es.
- Sie haben Landstrom am Liegeplatz. Das ist der eigentliche Komfortgewinn: kein Kanister, keine Tankstelle, kein Gemisch.
- Das Boot ist klein und wird getragen. Ein 15-Kilo-Außenborder mit abnehmbarem Akku ist im Auto und am Steg eine ganz andere Nummer als ein Benziner mit Tank.
Wann nicht
Ich verkaufe diese Motoren, und trotzdem sage ich es deutlich:
- Sie wollen gleiten. Ein Gleitboot dauerhaft in Fahrt zu halten frisst Energie in einer Größenordnung, die keine vernünftige Batteriebank an Bord hergibt. Für Wasserski und schnelle Runden bleibt der Verbrenner die richtige Wahl.
- Sie fahren weite Strecken ohne Steckdose. Reichweite ist bei Elektro eine Frage der Batteriebank, und die ist schwer und teuer.
- Das Boot liegt am Anker ohne Ladeanschluss. Dann brauchen Sie Solar dazu, und das will geplant sein.
Der Punkt, der die meisten überrascht
Bei den kleinen Motoren bis etwa 1,8 kW ist alles dabei: Motor, Lithiumakku, Ladegerät, Propeller. Auspacken, anstecken, fahren.
Ab 2,2 kW ändert sich das. Da bekommen Sie den Antrieb mit Bordcomputer und Fahrhebel — aber ohne Batterien und ohne Ladegerät. Das ist kein Trick, sondern sinnvoll: Ein 3-kW-Motor an einem leichten Boot mit zwei Batterien ist eine andere Anlage als derselbe Motor an einem schweren Verdränger mit sechs. Die Bank gehört zum Boot, nicht zum Motor.
Rechnen Sie also von Anfang an mit drei Posten: Antrieb, Batterien, Ladegerät. Wer nur auf den Motorpreis schaut, erlebt beim Zusammenbauen eine unschöne Überraschung.
Drei Regeln für die Batteriebank
Nur Traktionsbatterien. Keine Starterbatterien, auch keine Semitraktionsbatterien. Eine Starterbatterie ist dafür gebaut, kurz sehr viel Strom zu geben und sofort wieder voll zu werden. Ein Antrieb zieht über Stunden. Das hält sie nicht lange durch.
Mindestens 110 Ah pro Batterie. Darunter wird der Strom je Batterie zu hoch.
Alle Batterien gleich. Gleiche Kapazität, gleicher Typ, am besten gleiches Alter. In einer gemischten Bank arbeitet die schwächste Batterie gegen die anderen, und am Ende sind alle hin.
Wie lange kann man fahren?
Ein Beispiel aus den Herstellerangaben, damit Sie eine Größenordnung haben: Ein 2,2-kW-Antrieb mit zwei 145-Ah-Batterien kommt bei Teillast auf etwa achteinhalb Stunden, bei halber Last auf dreieinhalb, unter Volllast auf gut anderthalb.
Das ist der entscheidende Unterschied zum Verbrenner: Bei halber Geschwindigkeit fahren Sie nicht doppelt so lange, sondern deutlich länger. Wer es eilig hat, zahlt überproportional.
Was ich Ihnen mitgeben würde
Schreiben Sie mir Bootstyp, Marschgewicht und Revier. Daraus lässt sich in wenigen Minuten sagen, welche Leistungsklasse passt und wie groß die Batteriebank sein muss. Das ist ehrlicher als jede Tabelle — und manchmal endet es damit, dass ich Ihnen von einem Elektroantrieb abrate. Auch das ist eine brauchbare Antwort.
Im Shop finden Sie Elektro-Außenborder von Aquamot von 1,1 bis 25 kW, dazu passende Traktionsbatterien und Ladegeräte. Fragen zur Auslegung gehen am schnellsten per Mail an office@rauscherboot.at — wir antworten in der Regel am selben oder nächsten Werktag.
David Rauscher
Angefangen als Kind, auf dem Boot meines Großonkels. Erst gesegelt, dann gelernt, wie ein Boot gebaut ist, seit 2019 selbstständig. Was ich verkaufe, habe ich selbst an Bord — und was nicht hält, kommt nicht in den Shop.
Fragen? office@rauscherboot.at