Echolot nachrüsten: Durchbruchgeber oder Spiegelgeber?

Rumpf und Kiel eines Bootes von unten

Wer ein Echolot nachrüsten will, steht früher oder später vor derselben Frage: Kommt der Geber außen an den Heckspiegel, oder wird der Rumpf angebohrt? Die Antwort hängt weniger vom Gerät ab als vom Boot — und davon, wie Sie damit fahren.

Ich bin gelernter Bootsbauer und habe beide Varianten oft genug ein- und wieder ausgebaut. Hier steht, woran Sie selbst erkennen, was bei Ihnen passt.

Ein Echolot ist kein Angelgerät

Das Missverständnis hält sich hartnäckig. Echolot klingt nach Fischsuche, also glauben viele, ohne Angelrute brauche man keines. Das ist falsch. Der häufigste Nutzen ist schlicht: Sie wissen, wie viel Wasser unter dem Kiel ist.

Das zählt in vier Situationen:

  • Beim Anlegen. Fremder Steg, unbekannte Bucht, und die letzten zwei Meter entscheiden über eine Schramme am Ruderblatt oder am Antrieb.
  • Beim Ankern. Ohne Tiefe raten Sie die Kettenlänge. Mit Tiefe rechnen Sie sie aus.
  • In unbekannten Revieren. Eine Karte zeigt den Sollzustand. Der Geber zeigt, was heute tatsächlich da ist.
  • Auf flachen Seen. Verlandete Zonen, Kraut, wandernde Sandbänke. Wer die Tiefe im Blick hat, fährt entspannter.

Deshalb gehört eine Tiefenanzeige aus meiner Sicht zur Grundausstattung — noch vor vielem anderen, das teurer aussieht.

Die drei Bauarten

Spiegelgeber

Der Geber wird außen an den Heckspiegel geschraubt und taucht knapp unter die Rumpfkante. Kein Loch im Rumpf, nur ein paar kleine Löcher im Spiegel. Das ist die einfachste Montage überhaupt und in einer Stunde erledigt.

Nachteile: Der Geber sitzt exponiert. Beim Trailern, beim Slippen und beim Anlegen mit dem Heck ist er im Weg. Und er hängt genau dort im Wasser, wo es am unruhigsten ist — dazu gleich mehr.

Durchbruchgeber

Hier wird der Rumpf gebohrt und der Geber von außen durchgesteckt, innen mit Mutter und Dichtung gesetzt. Der aktive Teil sitzt bündig oder leicht vorstehend im ungestörten Wasser vor dem Antrieb.

Das ist die sauberste Lösung, was das Signal angeht. Sie funktioniert bei Fahrt genauso wie im Stand, sie funktioniert bei jedem Rumpfmaterial, und sie liefert bei größerer Tiefe das stabilere Bild. Bronzegeber wie der P19 oder der flach bauende P7 sind genau dafür gemacht.

Der Preis dafür ist ein Loch unter der Wasserlinie. Dazu unten mehr.

Inbordgeber, auch Klebegeber

Der Geber wird von innen in den Rumpf geklebt und sendet durch das Laminat hindurch. Kein Loch, nichts steht außen vor, nichts kann abreißen.

Das funktioniert nur bei massivem GFK. Bei Sandwichrumpf mit Schaum- oder Balsakern muss die Kernlage an der Stelle entfernt und das Laminat aufgefüllt werden — das ist Arbeit, aber machbar. Bei Aluminium und Stahl funktioniert es gar nicht. Metall lässt das Signal nicht durch, Punkt. Auch bei Holz ist es Glückssache.

Und selbst im idealen Fall kostet der Weg durch das Laminat Leistung. In flachem Wasser merken Sie davon nichts. In dreißig Metern schon.

Warum der Spiegelgeber bei Fahrt aussteigt

Das ist der Punkt, den man beim Kauf nicht sieht und nach der ersten schnellen Fahrt sofort versteht.

Ein Rumpf schiebt Wasser zur Seite und reißt dabei Luft mit. Je schneller, desto mehr. Hinter dem Heck läuft eine Zone aus Wasser und feinen Luftblasen — genau dort, wo der Spiegelgeber sitzt. Schall kommt durch Wasser gut durch, durch Luft praktisch nicht. Die Blasen streuen das Signal, und auf dem Display steht statt der Tiefe Unsinn oder gar nichts.

Bis etwa zehn, fünfzehn Knoten ist das meist beherrschbar, wenn der Geber sauber ausgerichtet und in der Höhe richtig eingestellt ist. Darüber wird es zur Geduldsprobe. Wer regelmäßig schnell fährt und dabei die Tiefe sehen will, ist mit einem Durchbruchgeber besser bedient. Wer ohnehin mit sechs Knoten unterwegs ist, wird den Unterschied nie bemerken.

Was zu welchem Boot passt

Als Faustregel, ohne Anspruch auf jeden Sonderfall:

  • Schlauchboot oder RIB: Spiegelgeber. Es gibt schlicht keinen Rumpf zum Bohren und meist auch keine Stelle zum Kleben. Das ist hier keine Notlösung, sondern die richtige Wahl.
  • Kleines Motorboot, Trailerboot: Spiegelgeber, solange Sie nicht dauernd Vollgas fahren. Einfach, günstig, reversibel.
  • Segelboot aus GFK: Durchbruchgeber, wenn es ordentlich sein soll. Der Klebegeber ist die Alternative, wenn kein Loch gebohrt werden darf oder soll — bei den üblichen Tiefen reicht er oft aus.
  • Verdränger, Kajütboot, alles ab etwa acht Metern: Durchbruchgeber. Ein Spiegelgeber ist an so einem Boot fast immer die schlechtere Wahl.
  • Aluminium oder Stahl: Durchbruch oder Spiegel. Kleben scheidet aus.
  • Boot, das nächstes Jahr verkauft wird: Spiegelgeber. Keine bleibenden Eingriffe.

Ein Loch im Rumpf nimmt man nicht zurück

Das gehört ehrlich gesagt: Wenn Sie sich für den Durchbruchgeber entscheiden, ist das eine endgültige Entscheidung. Ein Geber, der später nicht mehr gefällt, lässt sich tauschen. Das Loch bleibt.

Es lässt sich fachgerecht schließen — laminieren, spachteln, lackieren —, aber das ist eine echte Reparatur, und man sieht sie im Zweifel. Wer bei diesem Gedanken ein ungutes Gefühl hat, sollte es ernst nehmen und beim Spiegel- oder Klebegeber bleiben. Ein Echolot, das bei Fahrt gelegentlich flackert, ist immer noch besser als ein Rumpf, den man bereut.

Und wenn gebohrt wird, dann an der richtigen Stelle: vor dem Antrieb, im ungestörten Wasserstrom, nicht direkt hinter einer Stufe oder einem Kielsprung. Die Stelle entscheidet über das Ergebnis, nicht der Preis des Gebers.

Geber und Instrument gehören zusammen

Ein Punkt, der öfter für Ärger sorgt als jeder andere: Ein Geber allein zeigt nichts an. Er braucht ein Instrument, das seine Signale auswertet, und beide müssen zueinander passen — elektrisch wie in der Frequenz.

Bei Raymarine, das zu Teledyne FLIR gehört, gibt es dafür beide Wege. Die Instrumente der Reihe i40, i50, i60 und i70s sind einzeln erhältlich, wenn ein passender Geber schon im Boot sitzt. Und es gibt sie als Set zusammen mit dem passenden Geber, wenn Sie bei null anfangen. Wer nachrüstet, fährt mit dem Set fast immer besser, weil die Frage nach der Kompatibilität dann gar nicht erst aufkommt.

Soll ein vorhandener Geber weiterlaufen, brauche ich vorab dessen Typ. Bei fremden Gebern klappt das oft, aber nicht immer.

Was im Preis steckt — und was nicht

Der Preis eines Instruments oder eines Gebers ist der Preis der Ware. Nicht mehr.

Einbau, Anschluss, Inbetriebnahme und Kalibrierung sind eigene Leistungen und werden getrennt berechnet. Beim Echolot ist das kein Formalismus: Der Tiefenversatz muss eingestellt werden — misst das Gerät ab Wasserlinie oder ab Unterkante Kiel? —, die Empfindlichkeit will angepasst sein, und beim Spiegelgeber entscheidet die Einbauhöhe am Heck über das Ergebnis. Das lässt sich nicht ab Werk erledigen, das passiert am Boot.

Wenn Sie selbst einbauen, ist das völlig in Ordnung. Dann wissen Sie zumindest vorher, was noch vor Ihnen liegt.

Kurz gefasst

Spiegelgeber, wenn das Boot klein ist, langsam fährt oder gar keinen Rumpf zum Bohren hat. Durchbruchgeber, wenn es schnell geht, tief wird oder das Boot ohnehin dauerhaft im Wasser liegt. Klebegeber, wenn der Rumpf aus massivem GFK ist und kein Loch entstehen darf.

Wenn Sie unsicher sind: Schreiben Sie mir Bootstyp, Länge, Rumpfmaterial und wie schnell Sie üblicherweise fahren. Daraus ergibt sich die Bauart meist in zwei Sätzen — und manchmal ist die Antwort, dass der vorhandene Geber bleiben kann und nur das Instrument getauscht wird.


Instrumente, Geber und Zubehör finden Sie im Shop unter Bordelektronik. Fragen zur passenden Geberbauart gehen am schnellsten per Mail an office@rauscherboot.at — schreiben Sie Bootstyp und Rumpfmaterial gleich dazu, dann geht es in einer Runde.


David Rauscher, Bootsbauer

David Rauscher

Angefangen als Kind, auf dem Boot meines Großonkels. Erst gesegelt, dann gelernt, wie ein Boot gebaut ist, seit 2019 selbstständig. Was ich verkaufe, habe ich selbst an Bord — und was nicht hält, kommt nicht in den Shop.

Fragen? office@rauscherboot.at

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