Welche Bordbatterie passt zu meinem Boot?

Instrumente und Bordelektrik am Steuerstand

„Ich brauche eine neue Bordbatterie — welche Größe nehme ich?" Diese Mail bekomme ich regelmäßig. Und fast immer fehlt darin genau die Information, aus der sich die Antwort ergibt.

Denn die Amperestunden sind nicht der Anfang der Rechnung. Sie sind das Ergebnis.

Die eigentliche Frage lautet anders

Nicht: „Wie viele Amperestunden brauche ich?" Sondern: „Wie viel Strom ziehe ich an einem normalen Tag an Bord — und wie viele Tage will ich ohne Landstrom auskommen?"

Wer diese zwei Zahlen hat, hat die Batteriegröße praktisch schon. Wer sie nicht hat, rät. Und beim Raten liegt man in beide Richtungen daneben: zu klein und der Kühlschrank ist am zweiten Morgen aus, zu groß und man hat viel Geld für eine Batterie ausgegeben, die nie richtig voll wird.

Die gute Nachricht: Die Rechnung ist einfach genug, dass Sie sie am Küchentisch machen können. Sie brauchen keinen Taschenrechner mit Wissenschaftsfunktion, nur einen Zettel.

Schritt 1: Der Tagesverbrauch

Schreiben Sie alles auf, was an Bord Strom zieht. Daneben zwei Spalten: wie viel Ampere zieht das Gerät, und wie viele Stunden am Tag läuft es. Beides multiplizieren, alles zusammenzählen. Heraus kommen die Amperestunden pro Tag.

Ein Beispiel, wie so ein Zettel aussehen kann:

Verbraucher Stromaufnahme (ca.) Stunden pro Tag Ah pro Tag
Kompressor-Kühlbox 3 A (läuft aber nicht durchgehend) 8 24
LED-Beleuchtung innen 1 A gesamt 4 4
Druckwasserpumpe 5 A (nur kurz) 0,5 2,5
Kartenplotter 1 A 5 5
Autopilot 2 A im Mittel 4 8
UKW-Funkgerät (Empfang) 0,5 A 6 3
Handys und Tablet laden 2 A 2 4
Summe rund 50 Ah

Wichtig zu den Zahlen in dieser Tabelle: Das sind grobe Größenordnungen, wie sie an vielen Booten vorkommen — keine Werte für Ihr Gerät. Die tatsächliche Stromaufnahme steht auf dem Typenschild oder im Datenblatt, meistens in Ampere, manchmal in Watt. Wenn dort Watt steht, teilen Sie durch die Bordspannung: 36 Watt bei 12 Volt sind 3 Ampere. Weichen Sie im Zweifel nach oben ab, nicht nach unten.

Zwei Fallen bei dieser Rechnung:

  • Kühlung läuft nicht durchgehend. Eine Kompressorbox mit 3 A zieht diese 3 A nur, wenn der Kompressor tatsächlich anspringt. Über den Tag ist das je nach Außentemperatur, Isolierung und wie oft der Deckel aufgeht vielleicht ein Drittel bis die Hälfte der Zeit. Deshalb stehen in der Tabelle 8 Stunden und nicht 24.
  • Kurzläufer werden überschätzt. Die Wasserpumpe zieht viel, läuft aber pro Tag nur ein paar Minuten. Rechnen Sie hier ehrlich in halben Stunden, nicht in Stunden.

Schritt 2: Reservetage und Zuschlag

Jetzt kommt die zweite Zahl: Wie lange wollen Sie ohne Nachladen auskommen? Ein Wochenende an der Boje sind zwei Nächte. Ein längerer Törn ohne Steckdose vielleicht drei.

Rechnen Sie: Tagesverbrauch × Anzahl der Tage. Im Beispiel oben: 50 Ah × 2 Tage = 100 Ah.

Darauf kommt ein Sicherheitszuschlag. Zwanzig Prozent sind ein vernünftiger Wert. Nicht, weil die Rechnung falsch wäre, sondern weil die Wirklichkeit selten so aussieht wie der Zettel: Es wird wärmer als gedacht, die Box läuft länger, Besuch kommt an Bord, die Ankerwinde zieht zweimal statt einmal. Aus 100 Ah werden damit 120 Ah tatsächlich benötigte Energie.

Schritt 3: Nutzbare Kapazität, nicht Nennkapazität

Und hier wird es der Punkt, an dem die meisten Rechnungen kippen. Die 120 Ah aus Schritt 2 sind der Strom, den Sie entnehmen wollen. Auf dem Batterieaufkleber steht aber die Nennkapazität — und die dürfen Sie nicht komplett verbrauchen.

Kurz, weil das ein eigenes Thema ist:

  • Blei und AGM: etwa die Hälfte ist im Alltag nutzbar. Für 120 Ah Bedarf brauchen Sie also rund 240 Ah Nennkapazität.
  • LiFePO4: fast alles ist nutzbar. Für 120 Ah Bedarf reicht eine Batterie mit 150 Ah.

Das ist der Grund, warum die Bleibatterie im Regal nach mehr aussieht, als sie liefert — und warum ein reiner Ah-Vergleich zwischen den beiden Technologien nichts aussagt.

Was wieder hineingeht: die Ladeseite

Bisher haben wir nur den Verbrauch betrachtet. Genauso wichtig ist, was zurückkommt. Es gibt drei Quellen:

Die Lichtmaschine während der Fahrt. Die stärkste Quelle, aber nur solange der Motor läuft. Wer jeden Tag zwei Stunden fährt, lädt dabei einen guten Teil wieder nach. Wer eine Woche vor Anker liegt, lädt gar nichts.

Solar. Die einzige Quelle, die auch dann arbeitet, wenn niemand an Bord ist. Ein Panel bringt an einem klaren Sommertag über den Tag verteilt ein Vielfaches seiner Nennleistung an Amperestunden — im Herbst, bei Bewölkung oder im Schatten des Baums am Steg deutlich weniger. Für Boote, die tagelang liegen, ist Solar die sinnvollste Ergänzung.

Landstrom. Lädt zuverlässig voll, setzt aber eine Steckdose voraus. Wer sie hat, braucht deutlich weniger Kapazität, als die Rechnung oben ergibt.

Der Satz, den ich am liebsten unterstreichen würde: Eine Batterie, die nie ganz voll wird, ist zu groß gekauft. Bleibatterien nehmen das übel und altern schneller. Aber auch bei Lithium haben Sie schlicht Geld für Kapazität ausgegeben, die nie ankommt.

Der häufigste Fehler

Genau daraus entsteht der Fehler, den ich am öftesten sehe: große Batterie, unveränderte Ladequelle.

Jemand ersetzt 100 Ah durch 300 Ah, weil er nie wieder im Dunkeln sitzen will. Geladen wird aber weiterhin über dieselbe kleine Lichtmaschine und dieselbe Stunde Motorlaufzeit pro Tag. Ergebnis: Die Batterie pendelt dauerhaft zwischen halbleer und dreiviertelvoll, kommt nie in die Vollladung und liefert am Ende kaum mehr als vorher.

Die Kapazität wächst also nicht allein. Wer verdoppelt, muss die Ladeseite mitdenken — mehr Solarleistung, ein Ladebooster, ein stärkeres Ladegerät. Oft ist das sogar die günstigere Lösung: Manchmal ist nicht die Batterie zu klein, sondern die Ladung zu schwach. Wer das erkennt, spart sich die neue Batterie ganz.

Kurz gefasst

  • Verbraucher auflisten, Ampere × Stunden, alles addieren — das ist Ihr Tagesverbrauch.
  • Mal Anzahl der Tage ohne Landstrom, plus rund 20 Prozent Zuschlag.
  • Das Ergebnis auf nutzbare Kapazität umrechnen: Blei rund doppelt so viel Nennkapazität, LiFePO4 etwas mehr als der Bedarf.
  • Prüfen, ob Ihre Ladequellen diese Batterie überhaupt regelmäßig voll bekommen.

Wenn Sie mögen, machen Sie sich den Zettel und schicken Sie ihn mir: Welche Geräte, welche Stunden, wie viele Nächte ohne Steckdose, und womit geladen wird. Daraus lässt sich die passende Größe schnell ableiten. Und ich sage Ihnen auch, wenn dabei herauskommt, dass Ihre vorhandene Batterie reicht und nur die Ladetechnik nicht mithält.


Im Shop finden Sie Bordbatterien in verschiedenen Kapazitäten, dazu Solarpanele und Laderegler sowie Ladegeräte und Ladebooster. Schicken Sie Ihre Verbraucherliste einfach per Mail an office@rauscherboot.at — wir antworten in der Regel am selben oder nächsten Werktag.


David Rauscher, Bootsbauer

David Rauscher

Angefangen als Kind, auf dem Boot meines Großonkels. Erst gesegelt, dann gelernt, wie ein Boot gebaut ist, seit 2019 selbstständig. Was ich verkaufe, habe ich selbst an Bord — und was nicht hält, kommt nicht in den Shop.

Fragen? office@rauscherboot.at

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