Blei oder Lithium an Bord: Was sich wirklich rechnet

Bootsantrieb und Bordelektrik in der Werkstatt

Die Frage kommt bei mir fast jede Woche: Lohnt sich Lithium an Bord, oder tut es die Bleibatterie auch noch? Die ehrliche Antwort ist: Es kommt darauf an, wie Sie Ihr Boot benutzen. Bei manchen rechnet es sich nach zwei Saisonen, bei anderen nie.

Hier steht, woran Sie das selbst erkennen — ohne Rechenkunststücke.

Der Denkfehler beim Preisvergleich

Eine 100-Ah-Bleibatterie kostet ein Drittel einer 100-Ah-Lithiumbatterie. So weit stimmt der erste Eindruck. Der Haken: Sie vergleichen zwei Zahlen, die nicht dasselbe bedeuten.

Aus einer Bleibatterie dürfen Sie im Alltag ungefähr die Hälfte herausnehmen. Wer eine Blei-Säure-Batterie regelmäßig tiefer entlädt, verkürzt ihr Leben drastisch. Aus 100 Ah werden also rund 50 nutzbare Amperestunden.

Eine LiFePO4-Batterie geben Sie dagegen bis auf einen kleinen Rest aus, ohne dass es ihr schadet. Aus 100 Ah werden 80 bis 90 nutzbare Amperestunden.

Damit ist die Lithiumbatterie schon beim Kauf nicht dreimal so teuer, sondern gut anderthalbmal — auf die Energie gerechnet, die tatsächlich bei Ihnen ankommt.

Der Unterschied, der wirklich zählt: wie lange sie hält

Eine gute Blei-Säure- oder AGM-Batterie schafft je nach Behandlung ein paar hundert Ladezyklen. Eine LiFePO4-Batterie liegt um ein Vielfaches darüber.

Rechnen Sie es in Saisonen: Wer sein Boot am Wochenende nutzt und dabei zwei- bis dreimal die Bordbatterie leerfährt, kommt auf vielleicht fünfzig Zyklen im Jahr. Blei ist damit nach vier, fünf Jahren fällig. Lithium hält diese Nutzung deutlich länger aus als die meisten Boote ihre Eigentümer.

Wenn Sie die Bleibatterie also zweimal oder dreimal kaufen, während die Lithiumbatterie liegen bleibt, dreht sich der Preisvergleich um.

Vier Dinge, die man erst an Bord merkt

Gewicht

Eine LiFePO4-Batterie wiegt etwa die Hälfte einer vergleichbaren Bleibatterie. Bei einer einzelnen Batterie ist das Bequemlichkeit beim Einbau. Bei drei oder vier Batterien in einer Bank ist es Trimm — und bei einem Schlauchboot mit Außenborder ist es der Unterschied, ob das Boot vorne noch sauber läuft.

Die Spannung bricht nicht ein

Blei wird gegen Ende schwach. Die Spannung sinkt, der Kühlschrank läuft träge, die Ankerwinde zieht müde, das Echolot fängt an zu spinnen. Lithium hält die Spannung fast bis zum Schluss und fällt dann ab. Für alles, was Strom zieht, ist das ein spürbarer Unterschied.

Schnelles Laden

Blei nimmt Strom nur langsam an, besonders in den letzten zwanzig Prozent. Wer über Landstrom lädt und Zeit hat, merkt das nicht. Wer eine Stunde mit laufendem Motor unterwegs ist und in dieser Stunde nachladen will, merkt es sofort. Lithium nimmt in derselben Zeit ein Vielfaches auf.

Kälte

Und jetzt der Punkt, den die Prospekte gern übergehen: LiFePO4-Zellen dürfen unter null Grad nicht geladen werden. Entladen ist kein Problem, laden schon. Ohne Schutz nimmt die Zelle dabei dauerhaft Schaden.

Deshalb haben ordentliche Bordbatterien eine eingebaute Heizung, die sich selbst zuschaltet, sobald geladen werden soll und es zu kalt ist. Wer sein Boot im Frühjahr früh und im Herbst spät bewegt oder es im Winter am Wasser liegen lässt, sollte darauf nicht verzichten. Wer das Boot ohnehin nur zwischen Mai und September nutzt, kann darauf verzichten und Geld sparen.

Wann Lithium sich nicht lohnt

Ich verkaufe die Batterien, und trotzdem: In diesen Fällen bleiben Sie bei Blei.

  • Das Boot hängt fast immer am Landstrom. Wer nie wirklich entlädt, nutzt keinen der Vorteile.
  • Sie fahren zehnmal im Jahr für zwei Stunden. Bei fünf Zyklen pro Saison überlebt Sie auch die Bleibatterie.
  • Es geht nur um die Starterbatterie. Zum Anlassen ist Blei nach wie vor richtig und günstig. Lithium spielt seine Stärken beim Verbrauch aus, nicht beim Startvorgang.
  • Das Boot wird nächstes Jahr verkauft. Der Wiederverkaufswert honoriert die Investition selten.

Was beim Wechsel dazugehört

Eine Lithiumbatterie ist kein reiner Tausch von Kasten gegen Kasten. Drei Dinge sollten Sie mitdenken:

Das Ladegerät. Ein altes Blei-Ladegerät liefert die falsche Ladekennlinie. Manche Geräte haben ein Lithium-Programm, viele ältere nicht. Prüfen Sie das, bevor Sie die Batterie bestellen.

Die Lichtmaschine. Lithium nimmt so gierig Strom auf, dass eine kleine Lichtmaschine dauerhaft am Anschlag läuft und heiß wird. Bei größeren Bänken gehört ein Ladebooster dazwischen, der den Strom begrenzt.

Der Batteriecomputer. Bei Blei konnte man den Ladezustand grob an der Spannung ablesen. Bei Lithium geht das nicht, weil die Spannung ja gerade konstant bleibt. Batterien mit Bluetooth zeigen den Ladezustand direkt am Handy — das ersetzt bei den meisten Booten den separaten Shunt.

Kurz gefasst

Lithium lohnt sich, wenn Sie am Wasser wohnen wollen statt nur hinzufahren: mehrere Nächte an Bord, Kühlschrank, Kaffeemaschine, keine Steckdose in der Nähe. Dann bekommen Sie mehr nutzbaren Strom bei weniger Gewicht, und die Batterie hält, bis Sie das Boot wechseln.

Lohnt sich nicht, wenn das Boot am Steg an der Dose hängt und Sie damit sonntags eine Runde drehen.

Wenn Sie unsicher sind, was bei Ihrem Boot der Fall ist: Schreiben Sie mir, was Sie an Bord betreiben und wie lange Sie ohne Landstrom auskommen wollen. Daraus lässt sich die passende Kapazität in fünf Minuten ableiten — und manchmal ist die Antwort, dass Sie gar keine neue Batterie brauchen, sondern nur ein besseres Ladegerät.


Im Shop finden Sie Lithium-Bordbatterien von 50 bis 300 Ah, dazu Ladegeräte und Ladebooster sowie Solarladeregler. Fragen gehen am schnellsten per Mail an office@rauscherboot.at — wir antworten in der Regel am selben oder nächsten Werktag.


David Rauscher, Bootsbauer

David Rauscher

Angefangen als Kind, auf dem Boot meines Großonkels. Erst gesegelt, dann gelernt, wie ein Boot gebaut ist, seit 2019 selbstständig. Was ich verkaufe, habe ich selbst an Bord — und was nicht hält, kommt nicht in den Shop.

Fragen? office@rauscherboot.at

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